top of page

Marktbericht Russland: So lange warten die Bauern auf Getreidewaggons

vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

In Russland sind Logistikprobleme bei der Vermarktung weiter an der Tagesordnung. Hinzu kommt ein weiteres Problem, das die Abwärtsspirale verstärkt, in der sich die Landwirte befinden.


Die russischen Landwirte haben in der laufenden Hochsaison, die zwischen September und November dauert, 15.000 bis 20.000 Getreidewagen zu wenig. Das berichten die Russischen Bahnen RŻD. Die Gesamtflotte beläuft sich im Oktober auf etwa 185.000 Wagen, von denen etwa 142.000 (77 Prozent) im Einsatz sind. Die übrigen etwa 43.000 Wagen (23 Prozent) befinden sich in Reparatur oder werden aus anderen Gründen nicht bewegt.


Dieser Mangel bedeutet, dass die Landwirte tagelang darauf warten müssen, bis ein Wagen für den Transport frei wird. Im zentralen Russland beträgt die Wartezeit drei bis fünf Tage und in Südrussland mit seinen Schwarzmeer-Häfen ein bis zwei Tage. Dort ist die Not der Landwirte durch die Blockade der Seestrecke am größten. Deswegen können hier die Bauern schneller als woanders auf die Wagen zurückgreifen. Doch gibt es trotzdem auch hier überhaupt eine Wartezeit.


So viel teurer wird die Anmietung der Waggons pro Tag

Darüber hinaus müssen die Bauern immer mehr für die Anmietung der Getreidewagen bezahlen: Wie RŻD errechnet hat, sind die Kosten dafür seit 2024 um 35 Prozent gestiegen: Sie betragen nun zwischen 18.000 bis 22.000 Rbl pro Tag. Das sind zwischen 188 und 200 €.


Die Gründe für den Mangel: das Altern der Flotte (40 Prozent davon sind älter als 15 Jahre), ein Anstieg des Erntevolumens im Jahr 2026 (plus 16 Prozent zu 2025), ständige Reparaturen (23 Prozent der Flotte befinden sich in Reparatur) sowie der Mangel an Treibstoff und Schmierstoffen.


Hintergrund: Dieser Mangel an Getreidewagen hat sich in den vergangenen Jahren seit Ausbruch des Kriegs immer mehr verstärkt. So betrug das Defizit im Oktober 2023 8.000 bis 10.000 Wagen, 2024 12.000 bis 15.000 Waggons und 2025 14.000 bis 17.000.


Die Prognose fällt düster aus

Und es könnte noch schlimmer kommen: So rechnet der russische Fachdienst Zol.ru damit, dass bis 2028 das Defizit 25.000 Wagen erreicht. Denn die Getreideproduktion könnte Schätzungen zufolge bis dahin pro Jahr zwischen 10 und 12 Prozent steigen.


Welche Abwärtsspirale die russischen Bauern runterzieht

Zum Vergleich: Am Schwarzmeer-Hafen, wo im Prinzip nichts mehr verladen wird, beträgt der Preis für eine Tonne Weizen 7.500 Rbl oder 80 €. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was sie nun für die Anmietung der Getreidewaggons pro Tag bezahlen müssen - und auf die sie auch noch tagelange warten.


Die Produktionskosten sind bei den Bauern sowieso schon höher als die Preise, die sie mit dem Verkauf von Weizen erzielen. Das bedeutet, dass durch den verstärkten Mangel an Wagen die Bauern noch stärker finanziell als bisher nach unten gedrückt werden.


Die Blockade bewirkt ein Fallen der Preise ins Bodenlose. Und der Versuch, die Waren über andere Strecken zu transportieren, ist sowieso nur wenig aussichtsreich, weil die alternativen Wege diese Lasten grundsätzlich gar nicht tragen können. Dazu kommen jetzt noch die Wartezeiten auf die Getreidewaggons, deren Anmietung immer teurer wird - eine Abwärtsspirale, die kaum aufzuhalten scheint.


Wie sich die festgefahrene Lage in den Preisen widerspiegelt

Und wie festgefahren und schwierig die Lage bleibt, wird nicht zuletzt an den Preisen am CPT Novorossijsk Weizenindex für eine Tonne fob-Weizen mit 12,5 Protein deutlich. Der Großhafen ist das größte Drehkreuz für den Export. Seit dem ersten Angriff durch ukrainische Drohnen auf den Asow-Don-Kanal am 10. Juli sind die Niveaus um 4.000 Rbl auf 11.000 Rbl/t gefallen. Das ist eine Verringerung um 40 auf 115 €/t. Und dieser Preis gilt bis heute. Seit Wochen hat es hier keine Bewegung gegeben.


 
 
 

Kommentare


Agri V Raiffeisen eG

Lagerstraße 5,

46325 Borken-Burlo

 
info@agriv.de

© 2026 Agri V Raiffeisen eG

  • Instagram
  • Facebook
  • YouTube
bottom of page