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Iran-Krieg offenbart Düngemittel als Achillesferse

  • vor 17 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Importabhängigkeit von Golfstaaten wird zu wachsendem Problem. Versorgungsengpässe kommen zur Unzeit. Justizministerium leitet Ermittlungen ein.


Während der Iran-Krieg den Fokus an den Märkten primär auf die Entwicklung der Rohölpreise lenkt, steht aus Sicht der US-Agrarwirtschaft ein anderes Produkt, genauer gesagt eine Produktgruppe, viel stärker im Blickpunkt: Düngemittel. Medienberichten zufolge wird rund ein Drittel der weltweiten Düngemitteltransporte über die Straße von Hormus abgewickelt, die im Zuge der aktuellen Kampfhandlungen für Handelsschiffe weitestgehend unpassierbar wurde.


Starke Abhängigkeit von der Golfregion

Wie die meisten großen Agrarnationen sind auch die USA auf Düngemittel aus der Golfregion angewiesen. Die wichtigste US-Bezugsquelle ist dabei Qatar. Rund die Hälfte des importierten Stickstoffdüngers stammt aus dem Staat im Persischen Golf. Aber auch der Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Saudi-Arabian sowie nicht zuletzt der Iran sind wichtige Erzeuger für den Weltmarkt. Dass sich die Golfregion zum Produktions-Hotspot entwickelt hat, ist den regionalen Erdgasvorkommen geschuldet. Demnach entfallen bei der Stickstoffdüngerherstellung 60 bis 80 Prozent der Produktionskosten auf das benötigte Erdgas. In diesem Metier haben die Golfstaaten einen ausgewiesenen Standortvorteil gegenüber der Konkurrenz.


Aus Sicht der US-Farmer kommt die gegenwärtige Düngemittelkrise zur Unzeit. So befanden sich die Bezugspreise bereits vor dem Kriegsausbruch auf hohem Niveau. Ein Umstand, der durch die zuletzt sehr niedrigen Weltmarktpreise für Getreide und Ölsaaten verschärft wurde. Darüber hinaus kommt der US-Ackerbau nach den ruhigen Wintermonaten allmählich wieder auf Touren, was gleichzeitig den Bedarf an Düngemitteln ankurbelt.


Düstere Szenarien bei langem Kriegsverlauf

„Ich möchte nicht sagen, dass die Situation katastrophal ist, aber sie könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Die eskalierenden Angriffe im Nahen Osten entwickeln sich zu einem globalen Nadelöhr für Landwirte“, zitiert Bloomberg seinen hausinternen Marktanalysten Alexis Maxell. Ein noch düsteres Szenario, falls der Krieg zu keinem baldigen Ende kommt, zeichnet Philip Sunderland vom Düngemittelhändler Aquifert: „Ohne Dünger sinken die Erträge. Wenn die Erträge sinken, gibt es weniger Getreide, Reis oder andere Lebensmittel auf dem Markt. Zwischen der Ernte auf dem Feld und dem Moment, in dem das Essen auf den Tisch kommt, kann es eine Verzögerung von sechs bis neun Monaten geben. Aber man kann davon ausgehen, dass die Inflation um die Weihnachtszeit herum durch die Decke gehen wird.“


Die Düngemittelpreise reagierten abrupt auf den Iran-Krieg. Die US-Preise für Harnstoff, der überwiegend im Maisanbau eingesetzt wird, notierten vergangenen Freitag bei rund 570 US-$/short ton, ein Plus von rund 100 US-$ auf Wochensicht und zugleich der höchste Stand seit Oktober 2022. Laut Reuters haben viele amerikanische Anbieter ihre Verkaufsangebote zuletzt zurückgezogen, um die weitere Preisentwicklung abzuwarten. Genauso zurückhaltend reagiere demnach die Käuferseite.


Justizministerium untersucht Kartellvorwürfe

Die Entwicklung der US-Düngemittelpreise steht bereits seit geraumer Zeit unter genauer Beobachtung, da es den Verdacht von unlauteren Preisabsprachen gibt. So berichtete Bloomberg Anfang März, dass das Justizministerium eine offizielle Untersuchung eingeleitet hat. Laut anonymen Quellen geht es um die US-Firmen Nutrien, Mosaic, CF Industries Holdings, Koch sowie die norwegische Yara International. Die genannten Unternehmen kontrollieren den Großteil des landesweiten Düngemittelgeschäft, insbesondere in den Bereichen Stickstoff, Kalium und Phosphat.


Im Januar hatte der stellvertretende US-Agrarminister Stephen Vaden den Firmen Nutrien und Mosaic vorgeworfen, Absprachen getroffen zu haben, um das Düngemittelangebot in den USA zu verknappen und die Preise zu kontrollieren. In einer öffentlichen Stellungnahme gegenüber dem National Agricultural Law Center bezeichnete Vaden die beiden Unternehmen als „Duopol“ und erklärte, die Regierung werde „alles in ihrer Macht stehende tun“, um erschwingliche Düngemittelpreise für Landwirte zu gewährleisten.“ Bislang wurde jedoch keines der Unternehmen offiziell eines Vergehens beschuldigt. Auch muss die Untersuchung nicht zwingend zu einer Anklage führen, heißt es in dem Medienbericht.


Eine Krise folgt auf die nächste

Bereits die Biden-Regierung führte ähnliche Untersuchungen durch, nachdem der Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu einer vergleichbaren Situation im Düngemittelmarkt geführt hatte. Für neuerlichen Zündstoff hatte im Vorjahr Donald Trumps globaler Handelskonflikt gesorgt, in dessen Folge die Preise für Kalium- und Phosphatdünger in die Höhe geschossen waren. Zuletzt hatten sich die Märkte zwar etwas beruhigt, verblieben allerdings auf hohem Niveau.


 
 
 

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