„Deutschlandkorb“ gegen hohe Lebensmittelpreise
- kerstinoverkaempin
- vor 7 Tagen
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Die SPD will mit einem Aktionsplan zu Lebensmittelpreisen die Verbraucher schnell und spürbar entlasten. Gefordert werden etwa eine staatliche Preisbeobachtungsstelle und Maßnahmen gegen versteckte Preiserhöhungen.
In einem Konzept zu Lebensmittelpreisen, das der Lebensmittel Zeitung (LZ) vorliegt, schlägt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion die Einführung eines „Deutschlandkorbs“ vor. Esra Limbacher fordert, Handelsketten sollten auf freiwilliger Basis „einen Warenkorb mit günstigen und preisstabilen, in Deutschland produzierten Grundnahrungsmitteln aus allen wichtigen Warengruppen“ anbieten. Ein ähnliches Modell gibt es in Griechenland. So könne eine „bezahlbare Grundversorgung für alle“ sichergestellt werden, meint Limbacher.
Anstieg seit 2020 um rund ein Drittel
Im Vorfeld der Grünen Woche warnt der Ernährungspolitiker vor weiterhin zu hohen Preisen für Grundnahrungsmittel. Die Lebensmittelpreise seien in Deutschland seit 2020 um rund ein Drittel gestiegen, erklärt er den Vorstoß. Notwendig sei ein dreistufiges Maßnahmenpaket, um „Preise zu stabilisieren, Transparenz zu schaffen und Verbraucher wirksam zu schützen“.
Neben dem „Deutschlandkorb“ wird als weitere Maßnahme ein „konsequentes Vorgehen gegen Mogelpackungen“ gefordert. In dem Papier heißt es: „Versteckte Preiserhöhungen durch Shrinkflation und Skimpflation – also weniger Inhalt oder schlechtere Zutaten bei gleichem Preis – sind für Verbraucherinnen und Verbraucher kaum erkennbar und besonders ärgerlich. Weniger Müsli in der Packung oder Zuckerwasser statt Saft führen faktisch zu höheren Grundpreisen.“ Diese Praxis sei „unfair und wird auch von vielen Menschen so empfunden“. Das untergrabe zudem langfristig das Vertrauen in die Lebensmittelwirtschaft.
Limbacher verweist auf den Koalitionsvertrag, in dem mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen angekündigt wurde. Nun müsse gehandelt werden, und zwar mit „Kennzeichnungspflichten durch gut sichtbare Hinweisschilder, sowie die Prüfung einer Regulierung über die EU-Richtlinie zu unlauteren Geschäftspraktiken, um Verbraucherinnen und Verbraucher nachhaltig zu schützen“.
Mehr Transparenz bei Verbraucherpreisen
Der dritte Punkt des Maßnahmenpakets lautet: „Einrichtung einer staatlichen Preisbeobachtungsstelle: Faire Preise vom Acker bis zum Supermarkt“. Nach dem Vorbild anderer EU-Länder könnte eine staatliche Preisbeobachtungsstelle geschaffen werden. Sie soll die Mechanismen der Preisbildung transparenter machen und frühzeitig auf problematische Entwicklungen hinweisen.
Limbacher: „Bäuerinnen und Bauern brauchen faire Preise, nicht die niedrigsten. Sie produzieren Lebensmittel nach höchsten Standards – das ist nicht zum Nulltarif möglich. Aber wenn zwischen den Landwirten und dem Einzelhandel eine weitere Stelle Kasse machen will, dann ist es unsere Aufgabe das klar kenntlich zu machen. Faire Erzeugerpreise und bezahlbare Verbraucherpreise dürfen kein Widerspruch sein, sondern müssen gemeinsam gedacht und politisch abgesichert werden.“
Der SPD-Vizefraktionschef sieht in steigenden Lebensmittelpreisen für Menschen „mit geringem oder mittlerem Einkommen kein abstraktes Problem, sondern eine tägliche Belastung“. „Wenn breite Bevölkerungsschichten beim Wocheneinkauf den Euro für Lebensmittel zweimal umdrehen müssen, haben wir ein Problem“, so Limbacher. „Zu viele Menschen fragen sich am Ende des Monats, ob das Geld noch für frisches Obst und Gemüse, die Butter oder hin und wieder Fleisch oder Fisch reicht. Wenn Grundnahrungsmittel für viele zum Luxus werden, läuft etwas grundlegend falsch.“
Sorgen um Lebenshaltungskosten
Eine aktuelle, repräsentative Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: 58 Prozent der Verbraucher machen sich wegen der Lebenshaltungskosten Sorgen. Besonders deutlich zeigt sich der Druck im Bereich Lebensmittel: Gut zwei Drittel (68 Prozent) geben an, dass sie hier die Preissteigerungen am stärksten spüren.
Quelle: https://www.agrarzeitung.de/
Dieser Text erschien zuerst auf www.lebensmittelzeitung.net.




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